Kreis Militsch

Die Kreisstadt Militsch (poln. Milicz) liegt 55 km nördlich von Breslau, am Südufer der Bartsch. Der Ort wurde erstmals im Jahre 1155 urkundlich erwähnt und erhielt im Jahr 1300 deutsches Stadtrecht.

Im 12. Jahrhundert haben Mönche damit begonnen, die Militscher Teiche anzulegen, um darin vor allem Karpfen heranzuziehen. Sie nutzten dazu das Wasser der Bartsch, die eine große Niederung nordwestlich von Breslau durchströmt und in die Oder mündet. Die über 100 Teiche nehmen die Fläche von 70 km² ein. Sie gehören damit zu den größten Teichanlagen der Welt. Die Bartsch-Niederung ist 5.535 km² groß und damit 10 mal größer als der Bodensee.

Die Fischzucht von den Mönchen des Mittelalters war vorbildlich. Sie bildete einen wichtigen Bestandteil der modernen schlesischen Wirtschaft. Weiterhin gab es viel Landwirtschaft und auch das Handwerk kam nicht zu kurz.

Die weiten Wasserflächen mit ihren Schilfrändern und Eichendämmen schufen aber auch ein Landschaftsbild von eigentümlichen Reiz.

Nachdem Schlesien 1742 zu Preußen kam, erhielten auch die schlesischen Kreise eine Verwaltungsgliederung nach preußischem Plan, die vorsah:

Bis zum Jahre 1922 war das Kreisgebiet in 4 Städte, 131 Landgemeinden und 96 Gutsbezirke gegliedert. Mit Wirkung vom 1.10.1928 wurden die 96 Gutsbezirke aufgelöst und zumeist mit den gleichnamigen Landgemeinden zusammgelegt, so daß nunmehr 4 Stadt- und 129 Landgemeinden gezählt wurden. Städte im Kreis waren Militsch (Kreisstadt), Prausnitz, Sulau und Trachenberg.

Die wohl letzte bekannteste Einwohnerin von Militsch war Maria Helene Francoise Izabel Gräfin von Maltzan:
* 25. März 1909 auf Schloß Militsch
+ 12. November 1997 in Berlin
Sie war Tierärztin und Widerstandskämpferin.
Gräfin von Maltzan studierte in München Biologie und promovierte 1933. Seit 1938 lebte sie in Berlin, wo sie auch ein zweites Studium abschloß. Gräfin von Maltzan verbarg jüdische Bürger und politisch Verfolgte in ihrer Wohnung und half ihnen, das Land zu verlassen. Seit 1940 arbeitete sie eng mit der Schwedischen Victoriagemeinde in Berlin zusammen. Nach Beendigung des Krieges fand sie dank ihrer perfekten Englisch- und Französischkenntnisse Arbeit bei den Alliierten. Drogenprobleme führten zum Entzug ihrer Zulassung als Tierärztin, die sie aber nach einer therapeutischen Behandlung wiedererlangte. Im Jahre 1968 erschienen bei Ullstein ihre Memoiren »Schlage die Trommel und fürchte dich nicht«. Das Land Berlin ehrte die in Kreuzberg wirkende Gräfin von Maltzan 1989 mit dem Verdienstorden.
Zwei Jahre nach ihrem Tode wird auf dem Gehweg vor dem Haus ihrer Berliner Wohnung, in dem sie von 1938 bis 1945 wohnte, eine Gedenktafel enthüllt.